Du, Fürstin ohne Thron
Engel der Nacht, der mir
Heilsame Gewissheit
Bringt, mir Ketten aufzeigt
Die ich ganz allein wohl
Nicht gesehen hätte.
Sie ruhig ganz genau
Hinein und verrate
Mir, was sich, wie Du glaubst
Darin mehr oder auch
Minder geschickt verbirgt.
Verschlossene Bücher
Sind wohl zum Öffnen da
Aber die Offenen
Gehören sie wirklich
Doch wieder verschlossen?
Oder liegt die Wahrheit
Zwischen ihren Zeilen
Die Dich am Ende eh
Nie interessierten
Schaust Du sowieso
Immer nur dazwischen?
Lass mich Brecht beklauen
Engel verführt man gar
Nicht oder schnell, schrieb er.
Und so fürchte ich, dass
Meine Zeit im Ablauf
Wohl begriffen ist und
In dem bodenlosen
Stundenglas dahinrinnt.
Oder sehnst Du Dich nach
Jener Behutsamen
Voll Sorgfalt und Vorsicht
Abwägenden, sich Dir
Langsam annähernden
Und doch ohne Zweifel
Alles umfassenden
Sicheren Verführung
Von der ich nicht weiß, ob
Ich sie Dir geben kann
Und will und ob ich der
Richtige Verführer
Nächtlicher Engel bin.
Obgleich ich’s in Deinem
Angesicht gern wäre.

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