Zwei Welten begegneten mir auf meinem gestrigen, nächtlichen Spaziergang, dem es zum Mitternachtsspaziergang nicht reichte, weil mir zuvor vom Schreiben in der kalten Nachtluft die Finger steif geworden sind.
Ich sah eine bunt erleuchtete und doch graue, lebhafte und doch tote Welt. Sie ließ in mir ein Gefühl der Entfremdung aufsteigen, sowohl von ihr und ihren Inhalten als auch von mir selbst. In ihr wirkte zwar alles zum Greifen nah, aber wirkliche Berührung schien ausgeschlossen.
Und ich sah eine Welt dazwischen, darüber und überall, wo diese erste Welt nicht war. Sie war ganz still und doch durch und durch erfüllt von Musik, ihre Farbpalette schien in ihrem Spektrum sehr begrenzt, doch facettenreich und nuanciert.
Diese zweite Welt lud mich zum Träumen ein und ließ mich in Erinnerungen schwelgen, sowohl in meinen, als auch in solchen, die weder mein noch irgendeines Menschenwesens Eigen sein konnten.
An beiden Welten will ich Euch nun teilhaben lassen.
I – Klagelied
Betonwelt, blau ausgeleuchtete
Mir bist Du nicht.
Streife nur als Wanderer
Als Fremder durch Dich
Du sprichst nicht zu mir
So weit ich meine Ohren auch öffne
Schreiend schweigst Du
Nennst kein Lied, nur Lärm Dein Eigen
Und Totenstille des Herzens
II – Serenade No. 1
Altvergangne Tage
Seid so alt nicht
Säugen würd man Euch als Menschenkinder
Und fühlt Euch doch an
Als sei ich in
Und seit Euch gestorben
Als sei dies das übernächste Leben
Eines Zyklus‘
Dessen Ende sich fern glauben möchte
Ihr wart voll Verheißung
Und des guten Glaubens übervoll war ich
Hörte Euer Mahnen nicht
Bis ich selbst in Eurem Takt getanzt
Und doch, oh welch Seelenglück
Euch verkannt zu haben
Solang Eurer Zeit Verstreichen zu vereiteln
Eine Möglichkeit mir war
So verstand ich jenes
Eure Warnung missverstehend
Langem Taumelschlaf entschlüpfend
Dessen meine Ohren lang ertaubt gewesen
III – Serenade No. 2
Sing mir von den alten Tagen
Die ich nicht gelebt
Und nie gekannt
jüngste Phoibe, die Du Äonen und Millenien
Deinen sanften Schimmer liehst
Selene, strahlende Schönheit
Die Du Reiche aufsteigen und fallen sahst
Und Erden, von Menschenwesen unberührt
Leuchte mir, oh Tochter des Hyperion
In dieser eisig Wintersnacht
Kind aus Licht und Himmelblau
Und lass mir die Welt
In Deinen Tönen klingen

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